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Interview Kleine Zeitung 26012013

Herr Goriupp, neben Ihren Tätigkeiten als Sturm-Tormannausbildungsleiter und als ÖFB-Nachwuchs-Teamtormanntrainer sind Sie auch als Trainer in der Wirtschaft im Einsatz. Wie genau?

Ich bin als selbstständiger Coach für Dr. Michael Reinprecht in der Winning Management Seminar GmbH tätig, unterstütze Dr. Oliver Wieser bei seinen Verkaufsschulungen „Sales-Fitness“ und bin immer wieder für Motivations-Impuls-Vorträge gebucht.

Sie sind bei Winning Management Seminaren Teamcoach. Was macht aus Ihrer Sicht einen Gewinner aus?

Gewinner sind für mich Menschen, die mit einer positiven, lebensbejahenden Einstellung selbst definierte Ziele erreichen. Und sich dann wieder neue Ziele setzen.

Waren Sie in Ihrer Fußballer-Karriere immer ein Gewinner?

Nein, nicht immer! Es hat sicherlich Kollegen gegeben, die objektiv noch viel erfolgreicher waren als ich. Aber ich bin nach vielen verletzungsbedingten Rückschlägen immer wieder an die Spitze zurückgekommen. Und habe es dann trotzdem noch bis ins Nationalteam geschafft. Auch ich habe meine Ziele in 18 Jahren Profi-Fußball immer wieder neu ausrichten müssen.

Woraus haben Sie für sich – persönlich und Ihre Karriere – mehr gelernt: aus Siegen oder aus Niederlagen?

Am meisten gelernt habe ich aus dem Wechselspiel von Sieg und Niederlage: Du musst nach einem Sieg immer auf der Hut sein, denn das nächste Spiel könnte mit Leichtsinn schon wieder eine Niederlage werden. Andererseits lernte ich auch die Gelassenheit, dass nach einer Niederlage schon wieder das nächste Spiel kommt, das wir wieder gewinnen können. Genau um diesen Wechsel geht es ja auch im ganzen Leben. Es gibt nie Stillstand. Das nächste Spiel, die nächste Herausforderung kommt immer.

Österreich hat keine Kultur des Scheiterns. Es haftet daran ein Stigma des Versagens. Wie helfen Sie Menschen, die mit diesem Dilemma kämpfen.

Scheitern ist nur eine Frage der Selbstdefinition der eigenen Ziele! Ist jemand „gescheitert“, weil er bei Olympia nur 21. geworden ist? Oder ist er ein Sieger, weil es mit seinen Voraussetzungen eine tolle Leistung war, dass er sich für Olympia qualifiziert hat? Diese Frage kann nur der Betroffene für sich selbst beantworten. Etwas nicht zu versuchen woran ich glaube, das würde ich scheitern nennen.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass die Winning Management Seminar GmbH ein „Winning-Mind-Set“ vermittelt und bezeichnen es als gemeinsamer Nenner alle erfolgreichen Menschen. Was heißt das?

Das Winning Mind Set ist laut Dr. Michael Reinprecht eine unerschütterliche und positive Siegermentalität im Kopf! Das ist die Grundlage warum erfolgreiche Menschen auch nach Niederlagen immer wieder zurück ins Spiel kommen und nicht liegenbleiben. Egal ob beruflich, sportlich oder im privaten Leben. Sie glauben an etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolg ist das Erreichen selbstdefinierter Ziele in allen Lebensbereichen. Das gilt für Beruf, Sport, Familie und alle persönlichen Interessen.

Kann jeder Mensch Erfolg haben?

Ja! Wenn sich jeder auf seine Stärken besinnt – und diese erfolgsbringend einsetzt. Leider gibt es aber viele Menschen, die sich ihrer Stärken gar nicht bewusst sind.
Außerdem ist die Definition von Erfolg sehr individuell. Nur ich selber bestimme, was mein Ziel ist – und wann ich somit erfolgreich bin. Das ist sehr unterschiedlich.

Was waren Ihre wichtigsten Erfolge?

Ein positiver Schulabschluss, der 1. Profi-Vertrag, bei Sturm Graz die Nr.1 zu sein, mein Comeback nach meinem Schienbeinbruch, das Diplom der Sportmanagement Akademie, die Gründung meiner Familie, die Gründung der Steirischen Tormannakademie, als Tormanntrainer beim ÖFB zu arbeiten, der erste Impulsvortrag vor 24 Zuhörern, ….., zuletzt 5 Kilogramm abzunehmen!

Sie werben mit Erfahrungen aus dem Spitzensport. Welche davon wären die wichtigsten, die man auch im normalen Berufsleben anwenden kann?

Die Erfolgsparameter im Spitzensport und im normalen Berufsleben sind immer die gleichen! Nur das Spielfeld ist ein anderes.

Die eigenen Stärken erkennen und nutzen!

Klare (eigene) Ziele vor Augen haben!

Geistige und körperliche Fitness als Basis für alles.

Glaube an sich selber!

Was war im Spitzensport Ihr persönliches Credo?

„Never give up!“ und „Jeder ist seines Glückes eigener Schmied!“

Wie kommt man vom Tormann zum Mentalcoach?

Als Tormann beschäftigt man sich natürlich selber sehr viel mit Mentaltraining. Dr. Michael Reinprecht hat schon vor 20 Jahren als junger Tormann mit mir gearbeitet. Er war ein großes Vorbild!

Was war die größte Hürde, die Sie als Unternehmer zu nehmen hatten?

Das Fehlen der wirtschaftlichen und sozialen Absicherung, die ich als jahrelanger Dienstnehmer so gewohnt war. Plötzlich war ja niemand mehr da, der mir mein Gehalt, meine Sozialversicherung und meine Lohnnebenkosten bezahlt!

Was haben Sie richtig gemacht, dass Sie heute erfolgreich sind?

Ich habe immer an mich und meine positive Lebenseinstellung geglaubt! Ich habe immer daran geglaubt, dass ich mit meinen Stärken erfolgreich am Markt reussieren kann! Ich habe mich dabei auch nicht verbogen, als es lukrativere Angebote gab, die aber nicht zu meinen Kernkompetenzen gepasst haben.

Wer sind Ihre Vorbilder?

Ich schätze Dr. Michael Reinprecht sehr für seine Leistungen, die er im internationalen Spitzensport und auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung für große Unternehmen schon geleistet hat. Grundsätzlich suche ich aber meinen eigenen Weg.

Ist Spitzensport und berufliche Karriere heute nicht ein Widerspruch? Wie schafft man es, neben dem Sportbetrieb noch eine Ausbildung zu bekommen? Wie haben Sie das gemacht?

Das ist wieder nur eine Frage des Fokus! Wenn ich es als mein Ziel habe, mich für die Karriere danach aus- und weiterzubilden, – dann werde ich auch die Zeit dafür finden! Ich habe zugegebenermaßen auch immer meine Verletzungspausen für meine unternehmerischen Tätigkeiten genutzt und langsam aufgebaut.

Sie haben einen Schulabschluss in Tiefbau mit Matura abgeschlossen. Warum haben Sie in dieser Richtung nicht weiter gemacht?

Ich habe damals die Ausrede benutzt, dass ich mit meinem Technik-Studium zu sehr von meinem Profi-Dasein abgelenkt wäre.
Heute allerdings bin ich unter anderem auch Projektentwickler für die Kraftwerk GmbH, ein Ingenieurbüro und Handelsunternehmen für erneuerbare Energie.

Was planen Sie noch?

Ich mache Mitte Februar in Deutschland die Ausbildung zum diplomierten Life-Kinetik-Trainer mit Horst Lutz.
Auch ich möchte mich ständig weiterentwickeln und erhoffe mir mit dieser Ausbildung wieder neue Inputs für meine Tätigkeiten im Coaching-Bereich.

Und abschließend: Wie viel Angst hatten Sie als Tormann vor dem Elfmeter?

Im Gegensatz zu Handkes Protagonisten, war ich ja wirklich mit dieser Herausforderung konfrontiert: Sie gehört zu den einfachsten Aufgaben im Tormann-Spiel: Man kann nur gewinnen! Verlieren kann nur der Schütze!

Mag. Astrid Kleber
PR-Redaktion
Kleine Zeitung

 

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